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Bist du vielleicht selbst (bald) Papa?

Wenn ja, was interessiert dich? Wobei kann ich dir helfen?

 

Ich meine es tatsächlich ernst, wenn ich einen Artikel mit einer solchen Überschrift versehe. Ich lerne von meinen Kindern. Fast täglich – ich muss mich nur hin und wieder daran erinnern, auch genau hinzuschauen…

Diese sogenannte „Erziehung“ läuft ja in der Regel andersrum: Ich als Erwachsener bringe dem Kind was bei, zeige ihm Grenzen auf, erinnere es an Regeln (die ich für halbwegs sinnvoll erachte), ermahne es, gebe mir Mühe an alles zu denken, was ich je in irgendwelchen Ratgebern gelesen habe.

…und muss doch beinahe jedes Mal einsehen, wie der Hase wirklich läuft, denn:

Kinder tun nicht, was man ihnen sagt – Kinder ahmen nach, was sie beobachten!

Und da habe ich bislang keinen Elternteil kennengelernt, der zu 100% immerzu auch das einhält, was er/sie selbst ständig „predigt“ (jaja, hinterfrage dich an dieser Stelle gerne mal selbst 😉 ). Kinder sind sprechende Spiegel für die Menschen, mit denen sie sich am meisten umgeben – und das sind (bzw. sollten sein) am meisten die Eltern.

So, wie Kinder uns beobachten und sich an uns orientieren, lohnt es sich allerdings auch, sie selbst zu beobachten. Was hast Du schon von (deinen) Kindern gelernt? Sicherlich gibts es da je nach Kind ganz verschiedene Dinge.

Ich bin mittlerweile der Meinung:

Meine Kinder brauchen niemanden, der sie erzieht! Sie brauchen jemanden, der sie bei ihrer Entwicklung begleitet!

Das heißt jetzt nicht, dass ich meine Kinder vor sich hinvegetieren lasse. Es heißt aber ebensowenig, dass sie, in allem was sie tun, meinen Erwartungen bzw. Vorstellungen entsprechen müssen. Gerald Hüther spricht nicht umsonst von der Gefahr, Kinder zum ‚Objekt der eigenen Erwartungen‘ zu machen. Zusammen die Welt zu entdecken und dabei das Risiko überschaubar halten. Freilich eine Gratwanderung: Was darf es jetzt und was nicht? Aber mir gehts hier erstmal um die grundsätzliche Haltung.

Interessant ist: Ich finde, so wird ein wenig den „Druck“ aus der ganzen Erziehungsgeschichte genommen und sich auch mal andersrum auf Erziehung einzulassen. Auch mal von Kindern lernen zu wollen bedeutet für mich, nicht immer recht haben zu müssen (und das war ein Lernprozess!). Hier ein kleiner Ausschnitt dessen, wovon ich mir gerne ‚eine Scheibe vom Verhalten meiner Kinder abschneide‘:

Auch mal klar die eigene Meinung sagen!

 

Kinder sind so schonunglos ehrlich. Das ist oft einfach mega witzig – in den betreffenden Momenten oft ebenso mega peinlich… 

Klassiker: „Papaaaa, warum ist der Mann neben uns so diiihiick?“ (Situation in der Dusche im Freibad) 

Oder: „Könntest du mir bitte die Wasserflasche mitbringen, die gleich neben dir steht, mein Schatz?“ 

„Ähm. Nö.“ 

„Wieso nicht?“ 

„Ich habe keine Lust.“ 

„…aso, hmmpf“ 

Aber ganz im Ernst: Kinder sagen halt, was sie denken. Die Gesellschaft hat sie noch nicht ‚in die Knie gezwungen‘, sich so zu benehmen, wie es die Zivilisation verlangt. 

Ich will hier auch nicht dafür plädieren, mit ausgestreckten Mittelfingern durch den Alltag zu gehen. Die eigene Meinung rauszuhauen – im Guten sowie manchmal im weniger Guten –  kann aber sehr befreiend sein. Negative Gedanken in uns hinein zu fressen, ist nachweislich allerdings nicht gesund.

…und zeigt letztendlich doch nur, wie wir wirklich denken, ohne diese Verstellerei und so. 

Einen eigenen (starken) Willen haben

Verdammte Axt. Natürlich geht es mir übelst auf den Keks, wenn die Große nicht auf das hört, was ich sage. Gerade in Situationen, wo die Zeit verdammt nochmal knapp ist – mal wieder Montagmorgens zu lange geschlafen, gefrühstückt etc.:

„Gehst du bitte Zähne putzen“

„Ja, gleich“

(…und zu dieser Reaktion kommt es in der Regel erst nach meinem dritten Anlauf; alternativ: gar keine Reaktion. Und ‚gleich‘ definiert sich für meine Große als schier unendlicher Zeitraum…)

„Ne Schatz, gehts du bitte jetzt sofort? In 5min müssen wir los zur Kita“

„Jahaa, gleeheeiich. Ich muss noch [Spielzimmer-Tätigkeit nach Wahl]!“

Da könnte ich ernsthaft ausrasten so manches Mal. „Die ist jetzt 4 Jahre alt – wie soll das mit 13 werden?!“. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich stolz auf sie. Im Gegensatz zu mir lässt sie sich nicht unter Druck setzen – von der Zeit, vom Alltag…

Im „Moment“ leben

Wirklich Wahnsinn, wie sehr Kinder uns das vorleben, was der heute so gestressten Gesellschaft völlig abgegangen zu sein scheint: Sich völlig auf den gegenwärtigen Moment einzulassen.

Entweder mache ich mir in der Regel Gedanken um das, was gestern, heute oder vor 3min war – oder ich sorge mich um das, was gleich, nachher, morgen vor mir liegt. Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, bewegen wir uns gedanklich beinahe ständig in der Vergangenheit oder der Zukunft, selten nur in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Dabei ist es doch so:

Vergangenheit und Zukunft gibt es gar nicht, es gibt nur eine unendlich kleine Gegenwart – und die ist jetzt! (Tolstoi)

Alles außer der Gegenwart sind sozusagen ‚Hirngespinste‘.

Für mich ist es wirklich herrlich zu beobachten, wie die Große sich nicht nur selbst beschäftigt, sondern darin auch völlig aufzugehen scheint. Wenn sie malt, dann malt sie. Wenn sie tanzt, dann tanzt sie. Und wenn sie mit ihren Puppen quatscht, dann lässt sie sich auch darauf voll ein. Manchmal werde ich als Papa dann einbezogen oder auch nicht.

…aber was geschieht, wenn ich es dann hinkriege, der Einladung zu folgen (es gibt in meiem Kopf schließlich noch jede Menge anderer Dinge zu erledigen) und mich komplett auf den Moment einlasse, ist schon spannend: Ich empfinde weniger Stress! Mal wirklich ausschließlich gemeinsam Lego bauen, Geschichten ausdenken, Musik hören, vorlesen, tanzen – statt parallel an die Arbeit zu denken, das Staubsaugen, den Termin nachher etc. – auch mal alles andere ausblenden. So einfach gesagt und doch so schwer umzusetzen, wow.

Tun, was man liebt

Ist ja eigentlich ganz einfach:

Ick mach, worauf ick Bock hab, wa?!

Kind zu sein bedeutet natürlich eine gewisse Freiheit von Verpflichtungen, die uns im Laufe des Lebens so einholen: Miete zahlen müssen, den Haushalt (wenigstens halbwegs) organisieren, Essen kaufen… All das kann nicht alles immer zu 100% Spaß machen, so zumindest meine Überzeugung.

Spielen um des Spielens willen. Das schaue ich mir im Kern liebend gerne von allen Kindern ab. Als sogenannter Erwachsener lasse ich mich doch oft zu sehr von meinen Verpflichtungen übermannen – und so ‚verkommt‘ Vieles, was ich tue, zum ‚Mittel zum Zweck‘. Das führt leider dazu, dass ich für mich hin und wieder den roten Faden verliere, der mich zum Kern dessen führt, was ich eigentlich gerne mache – was ich liebe.

Ich kann mir durchaus vorstellen (und meine es oft zu beobachten), wie es anderen erwachsenen Menschen ebenso geht. Schlimmer noch: Ich behaupte, einige sehen wenig bis gar keine Freude/Liebe in dem, was sie tun.

Wie gehts dir damit?

Aufmerksamkeit generieren

Ein Kind holt sich, was es braucht. So einfach ist es.

Und so kann ich auch von meiner Kleinen mit ihren zweieinhalb Monaten Lebenszeit viel lernen.

Baby schreit – Baby hat ein Bedürfnis. Hunger, volle Kackwindel, körperliche Nähe… So wie der kleine Mensch fuktioniert, tut es der große auch – nur dass der große das nicht immer so äußert. Wieviele von uns verspüren auch mal das Bedürfnis nach menschlicher Nähe?! Das kommt vor. Oft sogar. Jaa, auch bei Papas. Und wie oft nehmen wir uns dabei selbst nicht ernst oder unterdrücken dieses Bedürfnis oder sind zu achtlos, um es zu erkennen oder oder oder?!

Ich plädiere für einen offeneren und dadurch gesünderen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen!

Selbstverständlich ‚über-performen‘ sicherlich auch einige Menschen. Ich kenne einige, die quasi durchgehend Aufmerksamkeit für sich erhaschen möchten/wollen/müssen – bewusst oder unbewusst. In Zeiten sozialer Medien erst recht. „Facebook-Status: Gerade auf Toilette“. „Facebook-Status: Fertig mit Toilette“… Vielleicht ist es daher gesellschaftlich auch bisweilen verpöhnt, über Bedürfnisse zu sprechen (in meinen Augen ist es oft so). Wir dürfen sie trotzdem nicht aus den Augen verlieren, wie ich finde.

…viel mehr noch

 Ein paar Dinge hab ich jetzt hervorgehoben, da ist aber noch viel mehr, was ich lerne: 

  • sich (ehrlich) auf den bevorstehenden Tag freuen – direkt beim Aufstehen!
  • kreativ sein, Dinge nicht so benutzen, wie sie ‚gedacht‘ sind
  • grenzenlos träumen (Astronaut, Superheld, Weltenretter… why not?! Spiderman wird mein Kind später vielleicht nicht, aber möglicherweise ergibt sich daraus eine Lebensvision, die globale Erderwärmung zu bekämpfen?!)
  • auch mal schamlos sein (es ist ihnen von Natur aus wenig peinlich, sie sind wie sie sind – unverstellt)
  • die vermeintlich ‚kleinen Dinge‘ im Leben genießen, z.B. die Bewegungen des Mobilés
  • schnell mit Situationen abschließen können (es geht allerdings auch genau andersrum)
  • Rituale pflegen: Danke für die gelegentlichen Erinnerungen, das gemeinsame Vorlesene abends nicht zu vergessen! Mein Kind ist sozusagen mein „Gewohnheitsmanager“ – es erinnert mich auch daran, Rituale für mich wieder mehr einzuhalten

Am Ende ist es eine Frage der eigenen Haltung

Ich habe jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, ja, in jedem einzelnen Moment die Wahl, wie genau ich mein Kind betrachte:Sehe ich gerade, was es nicht ‚erfüllt‘ (meine Erwartungen an es z.B.) oder sehe ich, was es toll macht – und wovon ich sicherlich sogar lernen kann?!

Meine Kinder erinnern mich durch ihr Tun oft an Dinge, die mir selbst eigentlich sehr wichtig sind, ich aber mitunter total verdränge oder vergesse. Der wuselige Alltag, die Leistungsgesellschaft…das Thema Achtsamkeit wird nicht umsonst wieder bzw. immer wichtiger heutzutage.

 Denn am Ende sind wir doch alle ein Leben lang Lehrende und Lernende zugleich…

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