Über mich

Das Leben einer Eintagsfliege ist kurz, sehr kurz. Entsprechend zielgerichtet läuft ihr bescheidenes Leben ab. Sie schlüpft, pflanzt sich fort und stirbt. Manchmal in einem Zyklus von 1-4 Tagen, manchmal in nur 40 Minuten. Der Eintagsfliege sagt man nun kein allzu großes Bewusstsein nach – es wäre also schwer messbar, wie glücklich sie sich in dieser kurzen Zeit fühlt oder wie achtsam sie mit sich und ihrem Leben umgeht. Geschweigedenn, ob sie etwas bereut.

Doch was wäre, wenn der Eintagsfliege von Anfang an klar wäre, wie kurz ihr Leben sein wird? Eine irgendwie bedrückende und doch spannende Vorstellung:

„Guten Tag, Fliege Nr. 1.659.364 – Herzlich Wilkommen im Kreise der Frisch-Geschlüpften. Sie durchlaufen nun den obligatorischen Check-In für ihren Tagesaufenthalt auf dieser Welt. Wir haben drölf Fragen für Sie vorbereitet, nach deren Beantwortung Sie weiter zur einminütigen Flugvorbereitung gehen. In Anschluss werden Sie zum Begattungs-Ritual geleitet, dass Sie bitte eigenständig und zahlreich durchführen. Wir bauen hier auf ihre Eigenverantwortung. Falls ihre Partner*innen Sie noch nicht gefressen haben, kommen wir mit dem obligatorischen Check-Out erneut auf Sie zu. Im Anschluss können Sie sich zum Ableben wahlweise zurückziehen oder die Gesellschaft weiterer Exemplare ihres Jahr- bzw. Tagesgangs suchen“

Sind wir nicht alle Eintagsfliegen?

Der Unterschied zwischen Eintagsfliegen und Menschen ist wohl recht eindeutig ihre Lebenszeit. Doch die Abfolge der Lebensinhalte scheint mir sich in Geschwindigkeit und Reihenfolge mehr und mehr anzunähern. Mechanisch durchgetaktet, perfekt ineinander greifend und in Abarbeitung diverser Vorgaben läuft der Mensch in einer Geschwindigkeit durch die Welt, dass es gar nicht möglich sein kann, sich auf mehr zu konzentrieren, als dabei irgendwie in der Spur zu bleiben. Doch was bleibt davon am Ende?

Sterbe mit Erinnerungen, nicht mit Träumen

Herrmann Scherer

Mein Name ist Niels. Ich bin kerngesund, habe 3 wundervolle Kinder und die Frau meiner Träume geheiratet. Zugleich erwische ich mich immer wieder dabei, wie eine Eintagsfliege zu denken und zu funktionieren:

Aufstehen, Alltag, Zubettgehen.

Geburt, Leben, Sterben.

Ich frage mich immer häufiger:

Auf was möchte ich am Ende stolz zurückschauen?

Wie sollen mich meine Liebsten und alle anderen in Erinnerung behalten?

Neben all den Rollen und Funktionen in meinem Leben ist diese eine doch die mit Abstand wichtigste: PAPA! Allein schon weil sie „unkündbar“ ist: Im Gegensatz zu Freundschaften, Bekanntschaften oder Beziehungen werde ich mit meinem eigenen Fleisch und Blut auf ewig verbunden sein.

Wieviele tolle Momente erlebt man im Leben bitte?! Vor allem mit Kindern, Wahnsinn! Ich schreibe sie auf, um sie meinen Kindern später vorlesen zu können. Besser noch: Sie sollen sie selbst lesen.

Denn wie oft verblassen Erfahrungen nach einiger Zeit bereits?! Ich schreibe hier an meinem Vermächtnis, wie es jeder Papa, jede Mama, jeder Opa, jede Oma (jeder Mensch?!) tun sollte, so auch Du!

Wir leben nur ein Mal – und leben bedeutet erinnern

Seit ich 2005 mit der Schule fertig geworden bin hatte ich eigentlich NIE eine Ahnung, was ich denn nun Großes mit meinem Leben anfangen möchte.

So hab ich einen klassischen Weg beschritten – hab studiert, hab berufliche Pläne geschmiedet und mehrfach über den Haufen geworfen, hab irgendwann die erste Arbeitsstelle bekommen – und wusste immer noch nicht, wo es nun hingehen soll.

Bis ich dann Papa wurde. Diese neue Rolle hat doch irgendwie alles verändert. Die Welt sieht für mich seitdem anders aus, weil ich sie aus anderen Augen betrachte.

Und dank meiner Kinder habe ich mich auch irgendwann dazu entschieden, weniger nach DEM EINEN WEG im Leben zu schauen und stattdessen einfach das zu machen, was mir und im besten Fall auch anderen Freude und Mehrwehrt beschert (so wie z.B. das Schreiben).

Auch wenn wir uns oft ähnlich verhalten, ist unser Leben Mensch eben nicht das einer Eintagsfliege. Wir müssen uns nicht fortwährend gedanklich in dem verlieren, was war oder dem, was kommen mag. Wir sollten vielmehr den Moment schätzen und lieben lernen – denn das Hier und Jetzt ist und bleibt das einzige auf der Welt, das tatsächlich unendlich ist!

Wie schön, dass Du auf meinem Blog gelandet bist. Viel Freude beim Lesen und wenn Du Fragen, Kommentare oder Rückmeldungen hast, schreib mir gern 🙂

Du änderst die Welt, wenn du mit gutem Beispiel voran gehst. Nicht, wenn du nur eine Meinung darüber hast, wie die Welt zu ändern sei.

Paolo Coelho