Wer auch das Gefühl hat, die Welt um ihn herum renne immer schneller, der hebe bitte innerlich die Hand.

Und? Sei ehrlich: Gehts dir intuitiv auch so? Zumindest manchmal?

Ich kenne das Gefühl gut. Je älter ich werde – und ich beobachte das schon seit einigen Jahren – desto mehr verspüre ich das Verlangen, das Karussell, in dem ich sitze, mal anzuhalten. Oder zumindest ein wenig zu bremsen.

Mit Kindern wird dieses Bedürfnis nicht kleiner. Ich liebe meine Kinder sehr und möchte ohne sie nicht sein, das ist klar. Und doch fällt mir immer wieder auf, wie ich mich innerlich nach Momenten der Ruhe sehne – nach Momenten nur für mich und mit mir. 

Also fing ich an, mir diese Momente selbst zu schaffen. Hin und wieder „sitze“ ich einfach gerne.

Richtig gelesen, einfach nur sitzen. Wahlweise auf einem Stuhl oder geeignetem Sitzkissen. Im Prinzip sitze ich nur so da. Schneidersitz, Lotus-Sitz oder Beine parallel nach hinten gebeugt auf den Unterschenkeln, Rücken möglichst aufrecht, Augen geschlossen.

Das ist also Meditation?!

Ich sitze 5 Minuten, 10 Minuten, 20 Minuten oder einfach so lange, wie ich es gerade brauche beziehungsweise der Zeitplan es zulässt. Ungestört. In absoluter Stille.

Ich fühle meinen Atem, indem ich ihn zähle: 1 beim Einatmen, 2 beim Ausatmen – bin ich bei 10 angekommen, fange ich wieder bei 1 an. Manchmal konzentriere mich auf verschiedene Körperregionen und spüre nach, was da gerade jeweils so abgeht. Mit dem Atemzählen habe ich aber oft schon genug zu tun.

Ich sage dir: Das ist der Wahnsinn für mich. Ich hätte nie gedacht, dass bloße Stille und eine solche Entschleunigung solche Effekte hat.

So hektisch und hibbelig ich auch manchmal reingehe in ein solches Sitzen, so gelassen und bewusst gehe ich trotzdem wieder raus. So manchen akuten Kopfschmerz konnte ich dadurch schon kurzfristig loswerden. Kein Scheiß, ich erzähle dir wie es wirklich ist und war!

Im Grunde ist es sehr einfach und so, wie eben grob beschrieben: Hinsetzen, Augen zu, Klappe halten und auf den Körper konzentrieren. Damit habe ich in der Regel echt genug zu tun – weil mein Hirn gedanklich ständig „abhauen“ will.

Mir fällt dabei mal so richtig auf, was für einen wuseligen Gedankenverkehr ich in meinem Kopf habe. Das ist krasser als jede Rush-Hour in der Großstadt: Ich stehe bildlich gesprochen am Rande einer großen Kreuzung und sehe, wie die Gedanken in Form von Autos nur so an mir vorbeirasen. Dummerweise verlangt jeder von ihnen von mir, aufzuspringen und mitzufahren. Ich fühle mich wie ein Anhalter, der sich nicht entscheiden kann vor lauter Überangebot.

Sitzen, um KLARzukommen

In Stille zu sitzen hilft mir, mir das bewusst zu machen. Es geht eben nicht darum, möglichst aktiv jedem Gedanken nachzugehen (und wir haben bekanntlich circa 30.000 am Tag), sondern darum, sie auch mal freundlich zu begrüßen und sogleich weiterziehen zu lassen. Freundlich und zugleich bestimmt. Das wiederum bewirkt, dass der Verkehr irgendwann weniger zu werden scheint.

Wenn ich nur lange genug am Straßenrand stehe und Gedanken durchwinke, scheint die Rush-Hour irgendwann überstanden zu sein. Und das Stresspotenzial für meinen Kopf damit kleiner zu werden. Manchmal setze ich mich hin und zelebriere die Stille so lange, bis sich eine spürbare Entspannung einstellt. Oder am frühen Morgen meine Große schon wach ist und mich in der Wohnung gesucht – aber das ist dann auch völlig o. k.

Wann ist die familienfreundlichste Zeit für Stille?

Die beste Zeit für eigene Projekte neben der Arbeit, im Haushalt und der Family ist nach meiner Meinung nämlich: Früh morgens. Und ich spreche hier von fünf oder sechs Uhr in der Früh. Ich für meinen Teil bin mehr als bereit, auch mal um diese „gottlose“ Uhrzeit aufzustehen, wie man so schön sagt. Und so „gottlos“ ist diese Zeit gar nicht, das weiß ich mittlerweile😉

Ich hab sogar so etwas wie eine Regelmäßigkeit daraus entwickelt, die Opportunitätskosten sind gering. Ich zwacke keine kostbare Familienzeit ab und kann doch Zeit für mich haben. Natürlich gehe ich abends dafür dann mal früher ins Bett, aber jetzt auch nicht übertrieben früh. Sechs bis sieben Stunden Schlaf müssen dann schon sein…

Die Welt, in der wir leben, rennt unaufhaltsam schneller. Diese Geschwindigkeit zu bemerken und für sich selbst einen passenden Umgang damit zu finden, sollten wir uns alle zu Herzen nehmen.

Der eine räumt gerne seinen Keller auf, der andere geht ins Fitnessstudio, manchmal dauert auch das Einkaufen oder Zigarettenholen ein wenig länger. Warum wohl?!

Jede*r braucht nach meiner Überzeugung Zeit alleine mit und für sich. Davon bin ich mehr als überzeugt! Sich besinnen, zentrieren, neu ausrichten, kurz klarkommen. Als du selbst solltest du dir diese Zeit nehmen – als Partner solltest du diese Zeit gönnen!

Ich wünsche dir und deiner Familie einen besinnlichen Jahresausklang 2019❤️

Photo by Ian Stauffer on Unsplash