Baby Augen

Baby Augen

5. April 2021 2 Von Niels

Der Ausdruck deiner Baby Augen lässt mich all die Sorgen dieser Welt für eine Weile vergessen.

Manchmal liegst Du nur so da, kleines Baby. Friedlich umherschauend, die Arme unwillkürlich rudernd, mal landen drei Finger im Mund, Du schnorchelst, gluckst vor dich hin, entdeckst mit deinen großen Augen die Welt um dich, in der Du erst so kurz bist. Und ich stehe da und schaue dich an – voll Faszination und verliere mich in dem Moment.

Du bist so unberührt von all dem, so nicht-wissend, nicht-verstehend, Du BIST einfach nur Du. Die reine Unschuld.

Ein Moment wie die Ewigkeit.

Zugleich suchst Du Kontakt zu dieser Welt, kleines Baby. Lache ich, so lachst auch Du. Singe ich, so “singst” Du mit. Mehr wie eine kleine Katze, ein kurzes helles „miauu“ oder „nnnngäääääi“. Doch wir unterhalten uns, zweifelsohne.

Ich habe einen so großen Einfluss auf dich. 

Was ich tue, darauf reagierst Du. Nicht immer so, wie ich es wünsche, doch das ist auch gut so. Du hast schon jetzt deinen eigenen Kopf, deine persönlichen Bedürfnisse.

Und doch schaust Du zu mir auf – ohne bewusste Erwartungen an mich und doch abhängig von mir. Ich spüre diese Verantwortung, ich lese sie in deinen Baby Augen. 

Dich zu begleiten von der Abhängigkeit in die Unabhängigkeit ist meine Aufgabe. Dir ein leuchtendes Licht zu sein sowie ein Anker in schweren Zeiten, ist meine Bestimmung, mein Kind. Ich gebe mein Bestes, sie zu erfüllen.

Baby Augen - Photo by Jernej Graj on Unsplash

Ich genieße den Moment, denn fühlt er sich in dieser Sekunde auch ewig an, so verfliegt er doch im Nu. Traurig wird mir klar: Er ist einzigartig und wird nie wieder kommen, soviel ist sicher.

Ist er vorbei, hoffe ich, beseelt und fasziniert, bereits inständig auf den nächsten. 

Denn diese Momente werden sich immer seltener bieten, je größer Du wirst. Seltener zumindest, als mir lieb ist. 

Und klar ist mir auch: Am Ende gehe ich im Leben nur ein Stück Hand in Hand mit dir, bevor Du dein eigenes lebst, ganz unabhängig von mir. Die Vorstellung macht mich wehmütig, schon jetzt…

Doch bis dahin ist es noch Zeit! Bis dahin habe ich dir noch viel zu zeigen, dir viel zu erzählen und mit dir viel zu erleben. Also genieße ich voll und ganz auch den nächsten Moment. Und den nächsten. Und den nächsten. 

Denn das ist es, woraus alles besteht, Moment für Moment. Weiß ich ihn erstmal zu schätzen, kann ich ihn wahrlich lieben – manchmal freilich erst im Rückblick. Es ist ganz gleich, ob er mich auch mal wütend oder fröhlich stimmt. 


Ob wir lachen, quängeln oder tanzen: Der Augenblick ist endlich, genau wie Du und ich – er wird nur ein Mal geschehen und so oder so ist er immer – ein Teil unserer gemeinsamen Geschichte!

Photo by Colin Maynard on Unsplash