Das Baby liegt frisch gebadet, eingeölt, gepudert und gewickelt im rosa Schlafröckchen in seinem Bettchen. Es schaut liebreizend seine Eltern an, die sich, Arm in Arm haltend, über das Bett gebeugt mit ihrem Zahnpastalächeln vom Kindchen in die Nacht verabschieden.

Mit einem gemeinsamen Schlaflied.

Mehrstimmig.

„Schlaf, Kindlein, schlaf. Die Mutter hüt‘ die Schaf. Der Papa schüttelt‘s Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein – schlaf, Kindchen, schlaf“…

Das Kind schlummert bereits währenddessen ein, Dabei ein zufriedenes Lächeln im Gesicht, in Gedanken wertschätzend, dass es doch so tolle und liebevolle Eltern hat. 😍😍😍

Hast du bis hierhin auch aufmerksam gelesen? Hattest du die Szene vielleicht sogar bildlich vor Augen? Wie schön, behalte dieses Bild gut in Erinnerung. Denn es wird das letzte Mal in diesem Artikel sein. Kommen wir nun zur Realität.

Einschlafen in der Realität

Ok, Zeit die 1950er-Jahres-Szene auszublenden. Es nützt ja nichts. Das eigene Kind ins Bett zu bringen ist, nun ja, „anders“ als im Schnulzenfilm. Zu Hause sprechen wir bei uns, ohne es böse zu meinen, vom „Einschläfern“ des Kindes🤣 Und doch lässt dies womöglich erahnen, welch uncharmanten Charakter das Ganze manchmal hat. Hier mal meine Wahrnehmung einer solchen Szene mit unserer Kleinen (aktuell 1,5 Jahre):

Im Moment schläft sie am besten ein, wenn sie dabei Körperkontakt hat. Sicher für manche schon der erste Diskussionspunkt, aber wir machen es nun mal so.

Wenn ich ihr kurz vor dem Zubettgehen den Schlafanzug anziehe, quiekt sie immer schon vorfreudig. Jahaa, das Kind scheint sich aufs Bett zu freuen!🤩😄

Ich lege sie in Schlafanzug und Schlafsack dann meistens auf meinen Bauch, die Decke noch über uns. Mit der rechten Hand streiche ich dann über ihnen Rücken, während ich sie mit der linken meistens an Kopf oder oberem Rücken festhalte.

Sie legt ihren Kopf auf meiner Brust ab und ich habe das Gefühl, als lausche sie meinem Herzschlag. Das rhythmische Schlagen zusammen mit der Körperwärme wirkt wohl beruhigend auf sie.

Und dann mach ich manchmal, was ich irgendwie noch von meiner Mama und Oma verinnerlicht habe: Ich summe eine Melodie (sorry Oma, die Texte von früher bekomme ich nicht mehr ganz zusammen). Oder – ich hau das jetzt mal einfach so raus – brumme ich bei jedem Ausatmen („hmmmmm“). Beides hat zur Folge, dass mein Brustkorb rhythmisch vibriert – und das wiederum wirkt nochmal zusätzlich beruhigend auf das Kind. Manchmal summt/brummt sie sogar im gleichen Rhythmus mit, quasi auf dem Weg ins Traumland. Spätestens wenn sie ihr Arme hintereinander unter ihrem Bauch vergräbt, weiß ich, dass sie es gleich geschafft hat.

Natürlich ist es schon mein Ziel, dass das Kind in seinem eigenen Bettchen schläft. Das heißt, dass ich sie noch dorthin transportieren muss, wenn sie denn nur erstmal tief genug schläft😱 Sobald die Atmung langsamer und tiefer wird, die Beinchen nicht mehr hin und her rammeln und das Schnarchen einsetzt, ist sie auch weit weg. Transportbereit. So die Theorie🤣

Das Ziel: So nah und doch so fern😩
(Photo by Nynne Schrøder on Unsplash)

Transport ins eigene Bett

Jetzt gilt es also, sich möglichst bewegungsarm aus dem Bett zu schälen, in dem wir aktuell liegen. Mit ihr auf dem Bauch versteht sich. Leichter gesagt als getan. Ich versuche den Oberkörper aus der Horizontalen möglichst ruhig aufzurichten. Ohne Arme versteht sich, weil ich das Kind währenddessen ja festhalten muss. Einen gewissen Schwung brauche ich dabei zudem, denn SO kräftig sind meine Bauchmuskeln nicht. Da ich aus dem Liegen nicht gut Schwung holen kann, muss mich ich also ruckartig Erheben. Was dann mit „ruhig“ per se schon nicht mehr viel zu tun hat, versteht sich😂🙈 (ich Amateur).

Selbst wenn ich mich zu Beginn bereits vorausschauend mit ihr an den Bettrand gelegt habe, gelingt mir keine derart flüssige Bewegung, so dass sie dabei weiterschlafen kann. Mal mehr, mal weniger intensiv fängt sie also in dem Moment an sich zu bewegen, als ich mich mit ihr zusammen in einer halb aufrechten, halb liegenden Position unter der Dachschräge hindurch über die linke Seite aus dem Bett drehe, mit dem linken Bein zuerst den Boden berühre und mich mit dem rechten gerade so abfangen kann, bevor ich kopfüber mit Kind auf dem Arm ins Duplo stürze…😂🤦‍♂️

Diese „flüssige“ Bewegung Innerhalb von 3-4 Sekunden ist wohl letztendlich rasanter als so manche Achterbahnfahrt – wahrscheinlich würde dabei auch ein Elefant aufwachen. Ich frage mich zurecht innerlich, wofür genau ich die letzten 10 Minuten eigentlich die „Vorarbeit“ geleistet habe, haha.

Was jetzt tun? Kurz schukkeln, warten bis es sich halbwegs wieder beruhigt hat und dann – Trommelwirbel – ab ins eigene Bett.

Die K + G + A – Formel

Als Sportwissenschaftler habe ich mich viel mit dem Thema Gesundheit beschäftigt. Dazu gehört auch das Thema Körperhaltung. Und dazu das Thema „Zwangshaltungen“: Personen, die in vermeintlich ungesunden Positionen arbeiten müssen. Z.B. über Kopf, in der Hocke, auf den Knien… Oder halt über dem Kinderbett🤦‍♂️

So stehe ich da also Am Bettchen, nach vorn übergebeugt, mein halber Brustkorb auf dem seitlichen Bettgestänge aufliegend, der linke Arm abstützend entlang des Kopfendes, mein eigener Kopf liegt wahlweise auf dem linken Arm ab (spätestens ab Minute 5), während ich mit dem rechten des Kindes Rücken klopfe, um es zu beruhigen.

Ernsthaft: Die ersten 3-4 Minuten ist das vielleicht noch erträglich, aber nach spätestens 10 Minuten könnte ich schon Kotzen und nach 12 komme ich kaum noch hoch. Man ey!🤯 Wird Zeit, dass jemand da mal was Schlaues erfindet, kann doch nicht so schwer sein…🤬

Klopfen, Geräusch machen, Abhauen – die K + G + A – Formel entspricht meinem typischen Bettbring-Rhythmus. Erst wird in ungünstiger Körperhaltung geklopft, während ein leises „shhhhhhhh“ mit jedem Ausatmen irgendwie wohl die Umgebungsgeräusche aus der Schwangerschaft damals simulieren sollen. Funktioniert. Hat sich auch hier wieder ein allmählicher Schnarch-Rhythmus eingestellt, gilt es für mich die finale Phase einzuläuten: Abhauen!

Das Finale: Raus da!

Abhauen will gelernt sein! Einfach rauszumarschieren, jetzt wo sie vermeintlich schläft, klappt nicht. Da bedarf es schon einer Technik. Das Kind darf mich nicht hören, nicht mitbekommen, dass ich gehe!

Das Kind hört wohl am wenigsten in den Momenten, in denen es selbst Geräusche macht – also beim Ein- und Ausatmen!

Diese Erkenntnis hat mich eine Zeit gekostet, aber es klappt. Nachdem ich mit dem Klopfen sanfter werde, die Frequenz verlangsame, wird auch mein „shhhh“ leiser – bis ich beides schließlich ganz lasse. Wie ein Lied, das am Ende kein abrubtes Ende hat, sondern langsam ausläuft. Dann folgt der erste spannende Moment: Kommt sie drauf klar oder wird direkt gemeckert? Sie hält den Atem an, nicht ungewöhnlich und………….schnarcht dann leise weiter. Glück gehabt. Läuft.

Und jetzt bewege ich mich wirklich nur im 2/3-Rhythmus in DEN Momenten, in denen sie ein- und ausatmet. Da-da-daa. Da-da-daa.

...upsiii, wenn Papa sich einen Fehler erlaubt, geh ich aber mal richtig ab!

Lang-sam-hoch.

Noch-ein-Stück

Um-dre-hen.

Erster-Fuß-vor.

Zweiter-Fuß-nach.

…so geht es weiter, bis ich irgendwann auf Zehenspitzen die Tür erreicht habe. NEIN, hier ist die Reise noch nicht zu Ende, lieber Papa! Türöffnen, -aufziehen, -zuziehen, -schließen – alles einzelne, kleine Prozesse, die stückweise perfektioniert werden müssen. Jede kleine Bewegung trägt völliges Eskalationspotenzial in sich!!! Habe ich „schmerzhaft“ lernen müssen🤬🤯. Kinder schaffen es wie niemand sonst, sich derart schnell und übertrieben von 0 auf 100 zu katapultieren, dass es schon Bemerkenswert ist.

Knarzt die Tür an einer Stelle zu laut, steht sie unter Tränen heulend, ja gar schreiend senkrecht im Bett – und wirkt auf mich wie eine Gefolterte, der die letzten Stunden Grausames zugefügt wurde. Und alles noch bevor ich die Türklinke loslassen kann…🤦‍♂️

Wenn alles gut läuft, dauert der ganze Prozess etwa 5-10 Minuten. Manchmal auch 10-20. Und manchmal ist nach spätestens 20 Minuten klar: Das wird hier nüscht mehr. Zähne, Erkältung, Seuche im Anmarsch, viel vom Tagesgeschehen zu verarbeiten… Die Gründe können 1,5jährige in der Regel noch nicht benennen, aber dann wird mir schnell klar: Die pennt eh bei uns im Bett😕

Kind ist nicht gleich Kind

Mit unserer Großen war es ein ähnlicher Ablauf und doch total anders. Das erste halbe Jahr war es ausschließlich Mamas und Papas Bett, ab dann im eigenen. Die Nächte waren das erste Lebensjahr grauselig. Wirklich MEGA anstrengend (Schlafmangel ist der Teufel👿). Ab dann ging es dann recht überraschend schnell bergauf: Allein einschlafen, wenig bis gar kein Gemeckere nachts, Ruhe für die Eltern😇

Die Kleine hingegen war ein komplettes Jahr im gemeinsamen Bett (zugegeben: Mittlerweile auch 1,80 statt nur 1,40m breit). Vielleicht ist auch deshalb der Übergang so müßig. Es war halt gefühlt erst später an der Zeit, sie rüberzulegen. Wir machen das intuitiv. Manche Nächte hören wir nichts, andere hören wir nichts anderes als Gemecker.

Schlaf, Kindlein, schlaf. Am Ende ist es manchmal nervig, aber wir versuchen weiterhin intuitiv vorzugehen. Wir lassen uns durch Meinungen Außenstehender nicht stressen, die meinen, ein Kind MÜSSE ab Alter X doch gefälligst durchschlafen. Und im eigenen Bett. Es wird sich irgendwann „fügen“ und immer besser werden, daran glauben wir. Hat bei der Großen auch funktioniert. Anders und früher, aber der „Prozess“ war doch sehr ähnlich. Wir bleiben uns selbst treu und gehen unseren Weg als Eltern, das ist das Wichtigste!

Main Photo by Paul Hanaoka on Unsplash