Seite auswählen

„Saufeen, morgens, mittags, abends, ich will saufeen…“

So oder so ähnlich schallt es ja hin und wieder durch die Malle- oder Après-Ski- oder Dorfdisco bei uns um die Ecke (die Musik scheint da sowas wie der gemeinsame Nenner zu sein in meinen Augen).

Das Prinzip ist ja grundsätzlich bekannt: Feierwütige Jugendliche und/oder Erwachsene organisieren sich in trinkfesten Cliquen in der Disco, auf der Kirmes oder im Dorftreff und lassen sich gerne volllaufen. Mit Anlauf gegen die Wand sozusagen. Bis es nicht mehr geht.

Natürlich nur in bester Absicht: Möglicherweise bedeutet das für den einen oder die andere ein Gefühl von Entspannung, Freiheit, Stressbewältigung, möglicherweise Verdrängung von Problemen… und ich will das weder infrage stellen, noch mich da absolut ausschließen: Denn es macht hin und wieder auch einfach richtig Spaß.

Auf A folgt (leider) auch manchmal B: Mitunter wacht man mit einem Mordskater am Folgetag auf, der mit dem Alter an Intensität definitiv zunimmt, doch zumindest hatte man ein paar gesellige Stunden (an die man sich im besten Fall auch noch erinnern kann…). Doch das Bedürfnis sich mal ordentlich „einen reinzuschütten“, das für einige sicherlich zum  Ritual oder auch Stressventil geworden ist, muss ja irgendwo herkommen.

Und da komme ich mit meiner (waghalsigen) Theorie um die Ecke:

Komasaufen ist ein natürliches Bedürfnis! Komasaufen ist sozusagen angeboren!

Ich klär das gerne auf. Dafür möchte ich beschreiben, was ich live und in Farbe beobachtet habe.

Die Ausgangssituation: Baby schläft auf Papas Brust, fest und sicher ins Tragetuch eingewickelt. Wie friedlich es ist. So warm und so ruhig. Kann den Atem hören und spüren. Rhythmisch – alles in bester Ordnung. Ein wunderbarer Anblick. Jedes mal zum Verlieben.

Und dann gehts los…

Die Phase der Vorspannung

Kinder machen ja eh mitunter echt witzige Geräusche beim Schlafen – ein leises Quieken, ryhtmische Seufzer… Hin und wieder dreht der Kopf im Traum von links nach rechts. 

Doch sobald die Frequenz der Schlafbewegungen sich erhöht, gehen bei mir als Papa die Alarmglocken an: Ich beginne intuitiv Ausschau zu halten nach der Mama. Mein Gehirn weiß: Jetzt kann alles sehr schnell gehen tongue-out 

Die Arme des Babys beginnen also erste Bewegungen und befreien sich stückweise aus der in Papa festgeschwitzten, in die Haut eingelassenen Form. Würde man das Kind jetzt in Gänze von meinem Körper „entfernen“, hinterließe es wahrscheinlich einen kompletten 3D-Abdruck – so als hätte man einen Gegenstand fest in eine Knetmasse gedrückt. 

Dann die erste zaghafte Fußbewegung rechts – Knie wird gebeugt – linker Fuß steigt mit ein – allmählich entsteht eine Art Milchtreter- oder auch Aquajogging-Bewegung. Der Kopf wird inzwischen schon leicht angehoben, als würde die Kleine mal schauen wollen, was so um sie herum abgeht. Erstaunlich eigentlich, wenn man bedenkt, dass sie den Kopf mit ihren paar Wochen noch gar nicht richtig selbst halten kann. 

Die Augen beginnen sich zu öffnen, zaghaft aber gewiss. Blinzel links, blinzel rechts. Richtig wach ist es noch nicht, schlafen tut es aber auch nicht mehr. 

Im Verbund wird aus Kopf, Armen, Beinen und den nun einsetzenden Rumpfbewegungen ein mehr oder weniger dynamische Ablauf, der schnell intensiver wird.

Die Augen öffnen sich stückweise immer mehr und der Kopf scheint „Andock-Versuche“ an Papas Schlüsselbein zu vollziehen. Zumindest ist dies meine Erklärung für die kopfnussartigen Bewegungen, denen ich zum Teil Einhalt gebieten muss, damit die Kleine mir nicht aus dem Tragetuch springt. Dabei reißt es die Augen dann auch so richtig auf – wahrscheinlich in freudiger Erwartung, den (meinen) Nippel anzusteuern.

Ihr Mund ist dabei bereits geöffnet und deutliche Schmatz- bzw. Grunzgeräusche sind zu vernehmen. Die Andock-Versuche schlagen natürlich fehl – der Papa ist halt schlicht nicht die Mama, Überraschung…

Und DAS merkt die Kleine recht schnell. Sehr schnell. Um es bildlich zu beschreiben:

  • Die Augen werden zugekniffen (höchstwahrscheinlich vor Frust),
  • die Mundwinkel verziehen sich langsam nach außen,
  • die Wangen bzw. der Wangenspeck dadurch nach oben (das lässt die Augen beinahe ganz verschwinden),
  • der Kopf beginnt zu erröten und
  • die dynamische Ganzkörperbewegung verkrampft vorübergehend zu einer reinen Anspannung (inkl. Luftanhalten).

Ich erlebe diesen Moment quasi in Zeitlupe und weiß genau, was passiert, kann es zugleich nicht annähernd beeinflussen…

…und was dann folgt ist der letzte Beweis dafür, dass ich jetzt definitiv nicht mehr die passende Bezugsperson für das Kind bin 🙈

Es schreit. Und zwar „volles Mett“. Jedes Mal wieder sieht man es kommen und erschrickt doch vor dem eigenen Kind. Von süß und friedlich zu laut und herzzereißend – schneller, als ein Porsche von 0 auf 100.

Ich werde „leicht“ nervös und suche jetzt ganz bewusst die Mama. …schnell.

Die Phase des Reinschüttens 

Wer schon mal eine 0,99€- oder sogar 0,49€-Party mitgemacht hat, weiß zumindest ungefähr wie das ist. Eigentlich steht man durchgehend an der Theke. Und wenn man dann endlich mal dran ist, werden nicht ein Getränk, auch nicht zwei, nein, es werden soviele wie irgend möglich bestellt.

Das Motto: So viel es geht, so schnell wie möglich. Solange der Laden geöffnet hat halt. Solange „Happy Hour“ ist…

Das Kind ist bei der Mutter. Es ist erstaunlich, wie lange sie dieses herzzerreißende Schreien aushält. Wir sprechen hier von vielleicht 20-30 Sekunden, denn die Quelle muss ja schon erst ausgepackt und es muss alles zurecht gelegt werden. Aber Sekunden fühlen sich zumindest für mich hier wie Stunden an…

Das Andocken ist nun erfolgreich bewältigt. Das heißt jedoch keineswegs, dass das Kind sich schon beruhigt hat. Es muss erst noch kurz checken, dass es gerade bekommt wonach es verlangt hat. Vielleicht muss erst auch die Muttermilch kurz ihre Wirkung entfalten. Wenn ich ein Bier trinke, dauert es in der Regel ja auch kurz, bis der Alkohol im Hirn ankommt.

Es wird also kurz weiter gemeckert und gezappelt, parallel natürlich fleißig genuckelt. Und dann ist es soweit:

Die Konzentration aufs Wesentliche (nämlich die Nahrungsaufnahme) setzt ein und der Sturztrunk beginnt.

Es wird reingeschüttet, was das Zeug hält – ist ja auch umsonst.

Komasaufen…

Vom Nuckeln lässt sich die Kleine übrigens durch NICHTS abbringen!

Verschluckt? Egal.

Husten? Egal.

Kotzen? Egal.

Das ist schon erstaunlich. Hauptsache es läuft. Die Mama muss da hin und wieder Einhalt gebieten, sonst würde die Kleine sich wahrscheinlich sprichwörtlich „ersäufen“. Das meine ich natürlich nur als Scherz – und doch wäre es dabei trotzdem glücklich, nehme ich an…

Das Saufen ist übrigens sichtlich anstrengend. Das schließe ich aus dem rhythmischen Stöhnen und Seufzen, das beim Ein- und Ausatmen zu vernehmen ist. Schwerstarbeit. Vor allem dann, wenn parallel noch ein Käckerchen eingebaut wird. Babys scheinen da praktisch zu denken – oben rein, unten raus, es braucht ja schließlich Platz… 💩 

Die komatöse Phase (Delirium)

Zum Ende hin werden die Anstrengungen sichtlich ermüdend – der komatöse Zustand beginnt sich langsam einzustellen.

Aus dem tiefen Grunzen ist nunmehr ein Quieken geworden – „Meerschweinchen-Style“ suggeriert mir mein krankes Hirn.

Die Augen verdrehen sich zunehmend und es wird immer mehr gespielt statt genuckelt – aus der Nahrungsquelle wird langsam eine Einschlafhilfe. Mama wird „benutzt“…

Und dann sehe ich es: Dieses Bild – das erschöpfte Kind (rechts):

  • Augen 90 – 100% geschlossen,
  • die Zunge zwischen Ober und Unterlippe eingeklemmt
  • die Arme in Rückenlage mit unter links und rechts angewinkelt dabei 90° im Ellbogen gebeugt.

Es pennt. Der Bauch ist dick, kurz vorm Platzen. Die Windel passt kaum noch drüber zu diesem Zeitpunkt. Köstlicher Anblick, denn so soll es ja sein. Zumindest in diesem Alter.

Und wenn nicht die zweite Brust in 5 Minuten folgt, hat Mama sogar zwischen einer und vier Stunden Pause bis zum nächsten Akt.

Morgens, mittags, abends saufen? Lächerlich –  mein Kind kann öfter! 😜

Ich freue mich inständig, dass mein Kind gut trinkt und gesund ist!

Im Anschluss darf ich das Koma-Bäuerchen regeln und hoffe derweil inständig, dass mein Kind diese Sauf-Instinkte noch vor der Pubertät abgelegt hat.

…andernfalls beschreibe ich in ein paar Jahren wohl den gleichen Prozess, nur in einem leicht veränderten Zusammenhang 😉

Dieser Blog ist ein Experiment! Wenn du bis hier gekommen bist, hast du meinen Text lange ertragen 😉

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar und inspiriere mich 🙂 Bist du vielleicht selbst (bald) Papa? Wenn ja, was interessiert dich?

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen