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Ich sitze auf unserem Balkon. Erstmal nicht außergewöhnlich, allerdings ist es 1h nachts. Ich kann nicht schlafen.

Ja, 2018 ist der wärmste Sommer, den ich je erlebt habe und ja, im 2. OG ist es auch kein Geschenk, bei 30°C nachts schlummern zu müssen. Aber noch entscheidender ist wohl die Tatsache, dass da ein 7 Tage altes Baby zwei Zimmer weiter in unserem Bettchen liegt.

Ins Beistellbett (steht quasi ‚auf Naht‘ zum Elternbett) will es natürlich noch nicht allein. Natürlich nicht…

Ein „ich möchte alle 2-3 Stunden trinken und verhalte mich dazwischen ruhig“-Rhythmus hat sich bislang nicht eingestellt. Das Baby bürdet seinen Eltern somit einen unplanbaren Schlaf-Wach-Rhythmus auf – gefühlt ist es halt immer wach.

Eine ‚typische‘ Nacht besteht derzeit also aus simplen, sich wiederholenden Sequenzen (dies Wort trifft es wohl am besten und nein, Übung macht hier nicht den Meister):

Einschlafversuch 1

Das Baby hängt an Mamas Brust. Ein letzter Blick auf die Uhr, etwa 23h. Eigene Körperwälzung links, eigene Körperwälzung rechts. Wie auf Kommando ereilen mich all die Gedanken, für die ich mir den Tag über keine Zeit genommen habe. Typisch. Den ganzen Tag bin ich müde, nur wenn ich abends im Bett liege, da gehts eigentlich…

Die ersten 30 Minuten Liegezeit sind rum. Das Baby nuckelt noch sporadisch, während es parallel so etwas wie Schnarchgeräusche von sich gibt. Bissl Rotz in der Nase vielleicht – oder erste Anzeichen von Opas starken Genen (oder ist das die Mama, die ich da höre?). Mit schweißnassen Haaren bin ich kurz vor dem Übergang ins Traumland, rekordverdächtig.

Doch Pustekuchen – das Baby quengelt das erste Mal. Die Mama hat es wohl gewagt, es ‚abzustöppseln‘. Und der Übergang von Quengeln zu (herzzerreißend) Schreien ist quasi fließend – als hätte es tagelang nichts zu essen bekommen. An dieser Stelle kurzer, ironisch gemeinter Gruß an all diejenigen, die trotz der kurzen Lebenszeit des KIndes bereits mit appellmäßigen Ratschlägen (natürlich nur gut gemeint) uns gegenüber aufwarten konnten:

Nein, ein kleines Baby muss sich nicht mal ‚ausschreien‘ und nein, es muss auch nicht von vornherein lernen, alleine zu schlafen. 

Zumindest nach unserer Auffassung nicht. Aber dazu vielleicht an anderer Stelle ein wenig tiefergehendere Gedanken.

Ich jedenfalls, eben noch kurz vor dem Übergang stehend, bin wieder hellwach.

Einschlafversuch 2

Die Schritte wiederholen sich nach einer kurzen Pause wieder von vorn: Wälzung links, rechts, ähnliche, vom Tag noch unverarbeitete Gedankensprünge wie zuvor (natürlich denke ich in diesem Moment auch nichts zu Ende, schließe also nichts gedanklich ab. Mein masochistisches Gehirn springt vielmehr von A nach B, zu C und nach einem kurzen Abstecher zu F wieder zurück zu B usw.). Weitere ca. 30 Minuten sind vergangen, in denen ich mich letztlich erfolgreich durch den Gedankendschungel gekämpft habe, ich stehe erneut kurz vor dem Übergang und dann…

Baby. Mama hat es in einem Anflug von Größenwahn gewagt, doch die Verlegung ins Beistellbettchen zu probieren. Natürlich ist die Kleine mega müde, trotzdem unruhig. Vielleicht wittert es die Muttermilch (bin ganz froh, dass sich dieser Instinkt im Laufe des Lebens zurück zu bilden scheint). Wenn sich das aber annähernd mit dem Geruch einer köstlich dampfenden Pizza Rustica vergleichen lässt, habe ich vollstes Verständnis.

Ich muss ran – Kind von der Mama ‚ablenken‘ und in den Schlaf wiegen. Bei der Wahl zwischen Spazierengehen und auf die Brust legen entscheide ich mich für Letzteres, weil zunächst bequemer. Der gute alte ‚Windel-Klopf-Rhythmus‘ scheint Wirkung zu zeigen, während das Baby bäuchlings mit dem Kopf auf meinem Brustkorb liegt. Nach kurzem Wechsel der Kopflage von links nach rechts scheint es tatsächlich irgendwann zu schlummern. Zumindest bewegt es sich nicht mehr.

Ich liege so still ich kann – diese Art Zwangslage führt dann auch dazu, dass ich schnell müde werde, quasi parallel zum Baby. Abermalig deutet sich der Übergang ins Traumland an, das Ziel scheint nah, es läuft gut, wirklich gut – doch vielleicht auch… zu gut?

Das Baby regt sich nicht mehr. Oh man, atmet es noch? Merke förmlich, wie das Adrenalin durch meine Adern schießt, die Augen größer werden. Lieber mal testen. Hände auf den Rücken des Kindes gelegt. Atmung müsste ja zu spüren sein. Da ist doch nichts oder? Moment mal… doch, da war was. Ja tatsächlich, es atmet. Jetzt spüre ich es.

Das kenne ich noch vom ersten Kind: In der ersten Gewöhnungszeit befindet sich der eigene Körper quasi in einer dauerhaften ‚Hab-Acht-Stellung‘. Die kleinsten Veränderungen wittere ich sofort und male mir in meiner unnachahmlichen Art den worst case aus – der dann in 100% der Fälle nicht eintritt. Zum Glück.

Wach bin ich jetzt trotzdem wieder…

 

Einschlafversuch 3

Ob das Baby schläft oder nicht, ich selbst kriege es nicht gebacken. Der obligatorische Blick auf die Uhr macht es natürlich nicht besser: Fast halb 2 nachts. Bekomme durch die stete Rückenlage so langsam Schmerzen. Egal, wird schon auszuhalten sein. Hauptsache die Kleine schläft weiter und die Mama kriegt auch mal ein paar Minuten Pause vom ständigen Stillen.

Und tatsächlich scheinen meine Augen zu zu fallen. Das weiß ich, weil ich um kurz vor halb 3 das nächste Mal hochschrecke und auf die Uhr schaue. Jemand ruft um Hilfe. Träume ich? Nein, Moment. Jemand ruft nach Mama, nicht nach Hilfe. Läuft aber aufs Gleiche raus.

Kein Traum, sondern ein Kind. Die Große, 4 Jahre alt, 2 Zimmer weiter. Ich pöbele gut gemeint, aber etwas schlaftrunken zurück: „Wasn los? Komm halt rüber“. Gekonnt ignorant wird einfach weiter nach Mama gerufen. Schlussendlich erbarmt es sich aber und kommt von selbst angedackelt – der Papa-Abholservice ist ausnahmsweise nicht vonnöten. 

Da liegt es nun, zwischen Mama und Papa. Baby ist noch auf meinem Bauch. Ich weiß nicht, WAS die Große da 30 Minuten später träumt, es erinnert mich aber an den alten Familienhund, der im Schlaf über Wald und Wiesen zu galoppieren schien – es tritt zu allen Seiten aus. In meiner positiven Art bin ich froh, dass sie stattdessen nicht auf die Idee gekommen ist, nachts mit der Kleinen spielen zu wollen – so geschehen die Nacht zuvor.

Das klassische Bild des 90° querliegenden Kindes im Elternbett ist nicht erfunden – das kann ich hier im Zuge einer Feldbeaobachtung eindeutig bestätigen!

Dieser Gedanke paart sich mit der Erkenntnis, dass auch das neue, 1,80 Meter breite Bett nicht auszureichen scheint im äußersten Fall. Ich beruhige mich sogleich: Auch 3 Meter würden wahrscheinlich nicht ausreichen…

Summa sumarum: Ich bin also wieder hellwach.

Ich gebs auf…

Die Situation stellt sich wie folgt dar: Das Baby habe ich links versucht abzulegen. Recht liegt die Große – auf Grund der wilden Träumerei zu gefährlich. Nicht zu nah an den Rand links, ein wenig Abstand. 2x versuche ich erfolglos, mich in den verbleibenden Raum zwischen Kind 1 und 2 zu quetschen. Bin aber leider kein Schlangenmensch… Ich bin gleichermaßen fassunglos und beeindruckt, wie ein großes Bett von so kleinen Wesen derart ausgefüllt werden kann. Resignation macht sich in mir breit.

Nach minutenlangem Herumsitzen auf dem Bettrand, währenddessen ich über eine Lösung nachdenke und keine finde, fasse ich um kurz vor 4 einen Entschluss: Das Baby muss einfach ins Beistellbett. Im Zweifel wird es sich ad hoc zumindest weniger wehren, als die Große beim Verfrachten in ihr eigenes Bett.

ES KLAPPT! Stolz und beinahe bewegungsfrei (muss mich nur noch gegen das linke Bein der Großen wehren, das mich immer wieder in Kickbox-Manier sucht und findet) finde ich irgendwo zwischen 4 und 5 Uhr nachts in den Schlaf.

Um 8 Uhr klingelt der Wecker, die Große muss um 9 im Kindergarten sein.

Nüchternes Fazit

Auch wenn es aufsummiert sogar 4-5 Stunden Schlaf gewesen sein mögen in dieser Nacht – anfühlen tut es sich wie vielleicht 10 Minuten.

Eltern und Tiefschlafphase ist in dieser Zeit wohl vergleichbar mit dem Esel, dem die Karotte vor die Nase gehalten wird, damit er vorwärts geht – so nach und doch do fern.

Der Weg zum ersten Käffchen am Morgen ist steinig, aber daran gewöhne ich mich tatsächlich langsam wieder. Ist der dann erstmal inhaliert, gehts eigentlich stückweise besser – immer bis zur nächsten Tasse halt 🙂

Photo by Isaac Del Toro on Unsplash

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